Freitag, 23. Oktober 2015

Glücklichmacher vom Dienst

Fragt man heute einen Hundetrainer nach Möglichkeiten, den Trainingsaufbau mit Kunden und deren Hunden zu strukturieren, erhält man oft die Antwort, dass man das nicht so genau sagen könne. Es wäre alles so individuell, irgendwelche Methoden, die man weitergeben könne, gäbe es nicht, man müsse sich halt so auf sein Gefühl verlassen und dann auf den Kunden eingehen. 

Um so erstaunlicher ist es, dass ein Seminar mit dem Untertitel "Vom Erstgespräch zum Trainingseinstieg" große Räume mit Menschen füllt, die hauptberuflich Hundetrainer sind. Noch erstaunlicher, da der eigentliche Titel einen Werkzeugkasten für schwierige Hunde ankündigt. Werkzeuge? Kasten? Also jetzt doch Methoden?


Es ist im Grunde kein Wunder, dass so mancher Trainer wie die Axt im Walde auftritt, gleich bei der ersten Gelegenheit ein- bis zweimal über den Kunden und dessen Empfindungen trampelt und ihn dann im Stechschritt einmal pro Woche über den frisch gemähten Rasen schickt - im Gänsemarsch, gleich vor und hinter den anderen Kunden. Immer schön aufrecht und auch gerne mal ein bisschen an der Leine zupfen, in die Flanke greifen oder wahlweise irgendwas über den Schädel ziehen, wenn der Hund nicht tut, was ein Hund nun mal tun soll. Artig sein! Gefälligst! Und zwar sofort!

Wenn ich heute zurück blicke, wie ich mit Anfang 20 meine erste Abteilung leiten durfte, grusele ich mich ein wenig davor, jemals einen solchen Chef zu haben. Einem Menschen die Führung anderer Menschen zu überlassen und auf selbst zu machende Erfahrungen zu verweisen, ist im Grunde so, als würde man einem 17 jährigen ein Dutzend Autos unterschiedlichster Bauart auf den Hof stellen, damit er erst einmal fleißig üben kann, bevor er dann mit dem Führerschein anfängt. Erfahrungen lassen sich eben nur in der Praxis sammeln. Eigentlich total logisch. Eigentlich.


Nepper, Schlepper, Bauernfänger...


Immer mal wieder lese ich im Internet Anzeigen, die mir versprechen, mit einer ganz bestimmten Methode in kürzester Zeit ein ganz bestimmtes Ziel zu erreichen, reich, schön, potent oder sogar omnipotent und dergleichen werden zu können. Natürlich empfiehlt sich hier ein etwas genauerer Blick, verspricht mir die Person Reichtum und ist selbst reich, kann das helfen, auch wenn es natürlich keine Garantie ist. Verspricht die Person aber Reichtum und ist selbst nicht besonders gut aufgestellt, darf man durchaus am Erfolg der käuflich zu erwerbenden Methodik zweifeln.

Da ich nun schon einige Zeit mit der Hundeakademie in freundschaftlichem Kontakt stehe und selbst Kunde dieser bin, stellte sich für mich die Frage, ob diese nun Kunden habe oder nicht und ob die Trainer der Akademie nun vernünftig mit Kunden und deren Hunden umgehen natürlich erst gar nicht. Als ich also die Möglichkeit bekam, mich dort in meiner Rolle als Kunde auf Herz & Nieren prüfen lassen zu können, sagte ich gerne zu. Natürlich war mir da schon klar, dass das alles andere als ein Spaziergang werden würde.  

Was Hänschen nicht lernt...


oder Hänschen auf dem Weg zum Hans einfach mal vergessen hat. Pünktlichkeit, Auftreten, DOs and DON'Ts, Safety first, usw. usf. füllten den ersten Vormittag, angereichert mit persönlichen Erfahrungswerten und auch ganz besonderen Hinweisen, wie z.B. dem, dass man ein Erstgespräch nicht beim Kunden Zuhause führen sollte - oder ganz profan: Geh nicht zu fremden Menschen nach Hause!

Als eine Person, die schon seit 20 Jahren als Dienstleister tätig ist, hätte ich im Grunde erwartet, dass mich diese Ausführungen langweilen würden. Die Schnelligkeit, der große Informationsgehalt und die interaktive Gestaltung mit den Trainern lies diesen Teil des Seminars jedoch zu einer reichhaltigen Angelegenheit werden.

Klopf, Klopf - Wer ist da?


Ja, wer ist eigentlich da? Und, worum geht es eigentlich? - Was wie eine einfache Frage klingt, lässt sich oft erst nach sehr genauem Hinschauen ermitteln. Die Basis dafür bildet das sehr genaue Nachfragen, was im weiteren Verlauf durchgeführt und am folgenden Vormittag sehr präzise erläutert wurde. Das ein durchaus legitimes "Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?" im Zweifel keine ausreichenden Informationen liefert, wurde bei allen teilnehmenden Kunden recht deutlich. Hier wurde eine solide Basis an Fragen genannt, an denen man sich für den Einstieg entlang hangeln kann, um herauszufinden, wohin die Reise mit dem Kunden letztlich gehen müsste.

Quo Vadis?


Nun ist das Ziel, welches man für den Kunden im Auge hat nicht immer das Ziel, dass der Kunde für sich selbst gesetzt hat. Und auch der zeitliche Aufwand und die mit dem Erreichen dieses Ziels verbundenen Kosten spielen sehr wohl eine Rolle bei der Kooperationsbereitschaft des Kunden. Hierfür wurden entscheidende und sehr wesentliche Ansätze besprochen und dargestellt, die letztlich zu Rückschlüssen führen sollen, was der der Kunde für sich möchte, für seinen Hund und was er bereit ist dafür zu tun oder zu investieren, immer unter dem Vorzeichen, dass Kunde und Hund überhaupt in der Lage sind, die gesteckten Ziele zu erreichen.

Viele Wege führen nach Rom


... und nicht jeder Mensch ist ein Marathonläufer. Ist klar, wohin die Reise gehen soll, geht es nun um die Möglichkeiten, wie diese für Mensch und Hund möglichst angenehm, aber effizient und kompakt gestaltet werden kann. Sehr sympathisch an dieser Stelle: Auch in der Hundeakademie kocht man nur mit Wasser und ist sich dessen bewusst. Trainingsansätze werden ausführlich erläutert, Hintergründe beleuchtet und Variationen aufgezeigt, die vom Mensch-Hund-Team geleistet werden können. Sodass auch schon in der ersten Stunde kleine Erfolgserlebnisse mit nach Hause genommen werden können.

"Everybodys Darling is Everybodys Depp"


Auch die so genannte "Harmoniefalle" kam zur Sprache, was sie ist, wie man sie erkennt und wie man sie ggf. vermeidet, wenn es denn notwendig werden sollte. Apropos Harmonie: Die Teilnehmer des Seminars waren durchweg sympathische und ambitionierte Menschen. Es machte fast ein bisschen den Eindruck, als würden vor allem die Leute solche Seminare besuchen, die solche Seminare im Grunde gar nicht brauchen.

König Kunde


So abgedroschen diese Phrase auch sein mag, als Dienstleister sind die Kunden nun einmal Könige - oder man hat ganz schnell keine mehr. Jeder, der sein hart verdientes Geld irgendwo lassen soll, wird sich in der Regel genau ansehen, ob er es dort auch gut angelegt sieht. Das bringt uns zu einer ganz anderen Gratwanderung, ganz ähnlich der Harmoniefalle, nämlich dem Telefonat. Nicht selten hat der Kunde hier das Bedürfnis von sich, seinen Lieblingen und von allen möglichen Vorkommnissen um diese herum zu berichten. Nur selten sind diese Informationen aber tatsächlich hilfreich. Es ist nicht wichtig, alles zu wissen, es ist wichtig, die wesentlichen Parameter zu erkennen und abzufragen, ohne hierbei den Kunden vor den Kopf zu stoßen. Der Kunde möchte, ganz selbstverständlich, auch von sich, seinen Problemen und seinen Bedürfnissen berichten. Ihn aufzufangen und die Informationen zu kanalisieren ist dann Aufgabe des Hundetrainers, sodass aus dem ersten Telefonat zur Terminvereinbarung keine unbezahlte Märchenstunde wird. Welche Möglichkeiten es da gibt und wie man sie anwenden kann, war ebenfalls integraler Bestandteil des Seminars.

Nach dem Training ist vor dem Training


Das gilt für jedes Einzeltraining, für jede Gruppenstunde und für jedes Seminar. So auch hier. Drei Tage lang wurde außerordentlich intensiv das Thema Umgang mit dem Kunden im Erstkontakt besprochen, Fallstricke aufgezeigt, Lösungsmöglichkeiten und ja, auch Werkzeuge an die Hand gegeben, um beim Kunden anzukommen, damit dieser letztlich bei seinem Hundetrainer ankommt und sich gut aufgehoben fühlt. Fachlich und persönlich. Insgesamt wurden 3 Kunden mit ihren Hunden behandelt. Mein Schäferhund und ich wurden hierbei intensiv über die drei Tage hinweg begleitet, sodass hier die gesamte Bandbreite erfasst und in der notwendigen Tiefe besprochen werden konnte. Die beiden anderen Kunden wurden jeweils an einem der Seminartage lang betreut, und stellten eine enorme Bereicherung für die Gesprächsführung und die Lösungsfindung dar.

Anstrengung, die sich lohnt


Obwohl der Titel darauf schließen lässt, dass es vorwiegend um schwierige Hunde geht, ist das Seminar sehr abwechslungsreich und auf die gesamte Bandbreite eines Erstgesprächs und den ersten Einstieg in ein strukturiertes Training ausgelegt. Wer also ein Seminar zu diesem Thema mit Tiefgang sucht, aber gerne auch ein paar Anreize für sein Training mitnehmen möchte, ist hier bestens aufgehoben.


Links:


Dienstag, 15. September 2015

Schöne(r) Scheiße(n)

"Entschuldigung, Entschuldigung!" - Ich drehe mich um. Neben mir steht eine Dame mittleren Alters. Sie wirkt auf den ersten Blick eher unsympathisch. Sie schaut drängelnd auf meinen Beaglewelpen, der gerade neben mir auf dem Grünstreifen steht. Wir haben das Büro kurz verlassen, um eine kleine Gassirunde zu drehen. "Ich wohne in diesem Haus!" sagt sie und zeigt auf das Haus neben uns. Ein Radweg und ein Gehweg trennen den Grünstreifen von dem Vorgarten dieses Hauses. "Ja?" sage ich. "Ja, also, können Sie Ihrem Hund vielleicht sagen, dass er nicht hier hin machen soll?". Ich wusste es... "Dies ist ein öffentlicher Grünstreifen und ich hebe es auf." sage ich und versuche in meiner Stimme zu verpacken, dass ich keine Lust auf sie habe. "Aber, wenn Sie ihm das ganz früh beibringen...?" Ich unterbreche sie, frage sie, ob der Hund mir vielleicht in die Hand scheißen soll und ich gefälligst in Ruhe gelassen werden möchte, weil ich den Kot sonst erst recht in Ihrem Vorgarten entsorgen werde. - Nun, was soll ich sagen, wir wurden keine Freunde.

Die Situation liegt ein paar Jahre zurück. Und immer mal wieder meint man mich darauf aufmerksam machen zu müssen, dass so ein Hund ja Hinterlassenschaften hat. - Danke! Weiß ich schon.

Unter den vielen kontrovers diskutierten Themen der Hundehaltung ist das Entfernen der Hinterlassenschaften des Hundes unter den Top 10. Zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern sogar unter den Top 3. Es gehört eben zu den nicht so gerne durchgeführten Tätigkeiten, sich einen dünnen Plastikbeutel über die Hand zu stülpen und den noch warmen Kot aufzuheben. Je nach Konsistenz und Geruch kann das auch ganz schön eklig sein. Das wird auch mit den Jahren nur bedingt besser.

"Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß." lautet da jedoch eine Redensart. Und wer hat schon gerne Scheiße am Fuß?! Also lautet die Devise in jedem Fall zunächst: Aufheben! Das erspart den Ärger mit den Nachbarn, den Behörden und saubere Schuhe hat man dann auch noch. Es gibt wirklich nichts Blöderes, als in die Hinterlassenschaften des eigenen Hundes zu treten, die man gestern noch hat liegen lassen. Und euer Karma weiß das, verlasst euch drauf.


Eine Perspektive wird bei den Verfechtern von "Ich zahle Hundesteuer, die Straßenreinigung muss das weg machen!" (was im Übrigen totaler Quatsch ist) oft außer Acht gelassen: Das Entfernen der Hinterlassenschaften geht zwangsläufig auch mit dem Sehen dieser einher, was einen sehr wichtigen Aspekt in der Kontrolle der Gesundheit unserer Hunde darstellt. Regelmäßig enorm stinkender Kot kann z.B. auf eine Unverträglichkeit gegenüber dem Futter hin weisen. Ist der Kot dauerhaft zu weich, können die Analdrüsen nicht vollständig entleert werden und entzünden sich. Ist der Kot zu hart, wird der Darm gereizt, worauf hin auch Blutspuren deuten können. Ist der Kot mit Schleim überzogen, könnte er sich Giardien (Darmparasiten) oder Würmer eingefangen haben. Auch die Menge des Kotes kann ein Indiz dafür sein, dass etwas nicht stimmt. Frisst der Hund zum Beispiel eine beträchtliche Menge Futter am Tag und ist spindeldürr, rennt dabei aber keine 30 Kilometer am Tag und macht riesige Haufen, kann das aufgenommene Futter allem Anschein nach nicht gut verwertet werden. Usw. usf. - Es gibt also eine Menge guter Gründe, über die Ausscheidungen des Hundes informiert zu sein. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch übel riechender und/oder sehr gelber oder orangefarbener Urin auf organische Probleme hinweisen kann.

In den meisten Städten und Gemeinden gibt es unterdessen Kotbeutelspender oder sogar "Hundetoiletten", also eine Kombination aus verschließbarem Mülleimer und Kotbeutelspender, sodass man sich nicht einmal mehr selbst um Beutel kümmern braucht und auch die Beutel nicht ewig mit sich rumschleppen muss, bis sich eine Gelegenheit zur Entsorgung bietet.

Manchmal sind die Beutel in den Spendern aber einfach sehr dünn oder es gibt keinen Spender im näheren Umkreis, sodass man sich selbst um die Beutel kümmern muss. Wir haben die "Poop Bags" von Earth Rated mit Lavendelduft für euch getestet.

Die Beutel sind sauber aufgerollt, glatt und verströmen einen Lavendelduft, wie man ihn auch von billigen Raumsprays kennt. Der Geruch verblasst auch nicht, wenn die Beutel länger in der Jacke oder Hose verweilen, stattdessen nehmen die Kleidungsstücke dann diesen Geruch ebenfalls an. Die Beutel lassen sich leicht abrollen und gut abtrennen, mir ist kein einziger Beutel dabei gerissen. Sie sind robust und nicht zu dünn. Mit einem Preis von etwa 7 Cent (Amazonpreis) pro Beutel ist das duftende Vergnügen nicht gerade günstig, wer aber auf der Suche nach biologisch abbaubaren, finanzierbaren und gut handhabbaren Kotbeuteln ist, wird hier fündig. Trotzdem soll nicht verschwiegen werden, dass die Frühstücksbeutel beim ALDI nicht viel dünner sind. 120 Earth Rated "Poop Bags" kosten  knapp 8 Euro + 3 Euro Versand, wohingegen 120 Frühstücksbeutel von ALDI nur knapp 50 Cent und einen Besuch bei der nächsten Filiale kosten. Dafür sind sie allerdings transparent (muss man mögen) und duften nicht nach Raumspray.

Unser Tipp: Versorgt euch am nächsten Beutelspender etwas über, lasst aber bitte noch was für die anderen Hundehalter drin. So bekommt ihr auch ein bisschen was von eurer Hundesteuer zurück. ;) - Wer es aber gerne etwas fester und duftiger hat, ist mit den "Poop Bags" gut beraten. Laut Hersteller gibt es die Bags auch ohne Duft, ich konnte jedoch in Deutschland keinen Lieferanten dafür finden.

Montag, 1. Juni 2015

Wege aus der Krise

Über die Aggression beim Hund und wie man ihr bei der Hundeakademie Perdita Lübbe in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Tierheimhunden begegnet. Ein Erfahrungsbericht über ein Seminar mit Perdita Lübbe-Scheuermann.


Ich habe lange über einen passenden Titel für diesen Artikel nachgedacht. Es ist am schwersten für mich, einen passenden Titel für meine Artikel zu finden, wenn diese von anderen Dingen als nur einem gewöhnlichen Produkt handeln. Weiß ich, wie ich den Artikel nennen möchte, habe ich für mich selbst herausgefunden, worüber ich nun genau schreiben möchte. Wo mein Fokus liegt. - Eigentlich ist es ja in diesem Fall ganz einfach. Ein Hund beißt ein anderes Lebewesen und verletzt es. So weit, so gut. Doch, nimmt man sich einen Moment, dies genauer zu beleuchten, wird schnell klar, dass bei diesem Thema nichts einfach ist. Schon gar nicht, wenn eine emotionale Komponente ins Spiel kommt. Wäre ich in der Lage alle meine Gedanken zu diesem Thema auf einmal zu sortieren, würde dies kein Artikel, sondern ein Buch. Eines mit sieben Siegeln und 13 Kapiteln, von denen die ersten 12 von Menschen handelten.

Safety First


Als ich nach dem Seminar-Wochenende mit unserer Sekretärin beim typischen "Na, was hast Du am Wochenende so gemacht?"-Tratsch unter Kollegen von meinem Seminar berichtete und ihr die Verletzung an meiner Hand zeigte, sagte sie ganz unzweideutig und ohne besondere Verzögerung, sie hoffe, dass so ein gefährliches Tier gleich eingeschläfert werde. - Früher, als ich begann über einen eigenen Hund nachzudenken, dachte ich noch genauso. Ist es doch so, dass der Hund, wie der Volksmund sagt, "Blut geleckt" hat. Oder, wie einige Trainer wissenschaftlich oder auch nur pseudo-wissenschaftlich argumentieren, dass der Hund seine Hemmung zu beißen überwunden hätte und damit einen Erfolg erzielen konnte. Natürlich unter der Annahme, dass werde nun immer wieder passieren.


Auch heute noch zucke ich innerlich kurz zusammen, wenn ich an die Einschläferung eines Tieres denke. Denke ich doch immer sofort an ein Tier, dem ich verbunden war und an meine persönlichen Erfahrungen mit dem Einschläfern von vierbeinigen Freunden, die mich leider nicht länger begleiten konnten. Trotz allem versuche ich pragmatisch zu bleiben und es mir wohl bewusst, dass nicht jeder Hund wieder in eine Familie kann und manche Hunde ihren Platz nur bei einem erfahrenen Halter finden können.

Was zuvor geschah...


Wenn wir darüber nachdenken, wie Menschen sich heutzutage in unseren Gefilden einen Hund zulegen, so sind die Möglichkeiten schnell aufgezählt. Sie holen sich einen Hund aus dem Tierheim, nehmen ihn aus dem Urlaub mit, lassen ihn sich von einer Tierschutzorganisation vermitteln, kaufen einen vermeintlichen Ups-Wurf oder Vermehrerhund bei eBay oder sie gehen zu einem Züchter, ob nun zu einem, der an den VDH angeschlossen ist oder irgendeinem Hinterhofzuchtverband, sei mal dahin gestellt. Das ihnen ein Hund auf der Straße zuläuft, ist in Deutschland eher unwahrscheinlich - soll aber auch schon vorgekommen sein. 

Auch die Gründe, warum sich jemand einen Hund anschafft kann man an einer Hand abzählen. Abstrusitäten und berufliche Gründe (es gibt tatsächlich auch noch Hunde, die ihrer eigentlichen Bestimmung folgen) außen vor gelassen, landen wir alle irgendwann beim Freund des Menschen, der uns treu und liebevoll auf einem Teil unseres Weges durch unser Leben begleiten und uns Freude bereiten soll. Damit er das tut, kümmern wir uns um ihn. Die einen besser, die anderen vielleicht nicht so gut. In der Regel aber so, dass es dem Hund ganz okay geht... - Doch dann passiert es. Der Hund beißt seinen Halter. Einmal, mehrmals, viele Male. Oder er tötet einen anderen Hund oder reißt ein Reh, eine Katze, ein anderes Tier. Er bedroht Kinder, jagt ihnen hinterher, stellt sie. Er beschlagnahmt Gegenstände im Garten, im Haus... Manchmal entwickeln die Halter aber auch nur plötzlich eine vorgeschobene Allergie, weil sie sich nicht mehr um das Tier kümmern können oder wollen. Der Hund kommt in ein Tierheim oder wird einfach ausgesetzt und entwickelt dort seine vermeintliche oder offensichtliche Verhaltensstörung, die sich in Aggression ausdrückt.

Dieser Artikel wird kein Buch, er wird nicht ein einziges Siegel erhalten und es wird auch keine Kapitel geben. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann er auch kaum erheben. Dennoch möchte ich die Frage nicht außer Acht lassen, warum Hunde zu solchen Maßnahmen greifen. Dem allgemeinen Verständnis nach gibt es dafür so einige Ursachen, die Wichtigsten dürften jedoch der Schutz des Hundes selbst, der Schutz einer Person, eines Territoriums oder einer Ressource sein, wobei der Mensch und das Gelände durchaus auch als Ressource durchgehen könnten, es aber Unterschiede gibt, die hier den Rahmen sprengen würden. Ganz abstrakt könnte man sagen, es geht darum, Abstand zwischen A und B zu schaffen. Wobei A das vom Hund zu schützende und B die Bedrohung ist. Weitere Gründe liegen nicht selten in übersteigerten oder fehlgeleiteten Verhaltensweisen. An vorderster Stelle wäre hier das Beutefangverhalten zu nennen, oder gerne auch Beuteverhalten oder ganz vereinfacht der Jagdtrieb (anders als der Name hier suggeriert, handelt es sich beim Jagdverhalten des Hundes jedoch nicht um einen Trieb im engeren Sinne). Zudem erhöht sich in Verbindung mit Angst oder Unsicherheit die Gefahr für ein aggressives Verhalten unter zuvor genannten Punkten deutlich, ich möchte aber davon absehen, diese Möglichkeiten nun weiter auszuführen, gibt es doch hierfür Bücher von sehr viel erfahreneren Menschen, die mit viel mehr Hintergrundwissen ausführlich über diese Themen schreiben. 


Nicht ganz unwichtig ist jedoch - und dieser sollte hier Erwähnung finden - der Begriff der Führung. Ein Mangel ein Führung, Sicherheit und Struktur kann sehr wohl, unter ungünstigen Umständen in leisen, kaum merklichen Schritten zur oben beschriebenen Eskalation führen. Warum ich gerade das noch einmal aufführe? Nun. Es dürfte dem ein oder anderen nicht entgangen sein, dass die Zahl der Hundetrainer in den letzten Jahren exorbitant gewachsen ist und auch der noch recht neu eingeführte notwendige Nachweis einer Sachkunde konnte, dank geschickt platzierter Lobbyarbeit, nicht überall dafür sorgen, dass dieser Berufsstand auf sachkundige und fähige Menschen begrenzt wird. Man mag sich darüber ärgern, aber es ist eben noch ein relativ junger Berufszweig und es wird sich einpendeln, wie bei allen anderen Berufen auch. Das am Ende jedoch nur fähige Berater für Mensch und Hund übrig bleiben, ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Jeder, der schon einmal den ein oder anderen Dienstleister in Anspruch genommen hat, dürfte ein Lied davon singen, ganz gleich, in welcher Branche dieser angesiedelt war.

Führung, Hundetrainer, Aggression, was das alles soll? Nun. Betrachtet man die Zahl der Hundehalter der letzten Jahre (Statistik), so stellt man fest, dass diese mitnichten so starken Schwankungen unterzogen ist, wie sie das die Zahl der Hundetrainer - zumindest gefühlt - sein müsste. Was hat sich also geändert? Die Frage müsste besser lauten: Was ändert sich also? 

Hierzu ein kurzer Exkurs: Wie viele von euch wissen, stammen die Wurzeln meiner Familie nicht aus Deutschland. In meinem Kulturkreis war es damals noch üblich, dass sich Verwandte und Bekannte regelmäßig besuchten. Das man sich gegenseitig anrief, Dinge zusammen unternahm. Das man unter allen Umständen versuchte, Freundschaften und Familie in einer intakten Struktur zu halten. Einer Struktur, die den Einzelnen auffing, falls mal etwas schief lief. Doch ist auch dieser Kulturkreis nicht gefeit vor dem Fortschritt. Arbeit und Unterhaltung bestimmen den Alltag. Familie und Freunde geraten mehr und mehr in Vergessenheit. Was übrig bleibt, ist eine gewisse Einsamkeit, die man nur spürt, wenn die Glotze aus ist und man sich wieder sich selbst und seinen Gedanken stellen muss. - Und dann tut man das, was man in Deutschland auch schon getan hat: Man legt sich ein Haustier zu. Ein Fell, in das man greifen kann, das dann schnurrt oder sich auf den Rücken wirft. Das bedingungslos liebt und dankbar ist. Einfach nur dafür, dass man da ist und es mag. 

Abgesehen von den Menschen, die man immer häufiger mit einem Vierbeiner an ihrer Seite sieht, macht sich das auch in den Städten bemerkbar. Wo man früher kaum ein Halsband für seinen Hofhund erstehen konnte, befinden sich nun an jeder zweiten Ecke riesige Schilder von Royal Canin & Co.

In Deutschland ist man nun schon einen Schritt weiter gegangen. Der Hund ist nicht nur ein vierbeiniger Freund, er ist auch zum Ersatz für einen Partner geworden, Ersatz für Kinder, ein Therapeut, ein Lebewesen, dass alles das auffangen soll, was im Leben seines Menschen schief läuft. Etwas was der Hund nicht leisten kann und was am Ende ebenfalls zu Problemen führt. 

Das ist es, was sich grundlegend geändert hat. Oder kurz: Aus dem Hund, als Bewacher des Hauses oder Hüter der Schafe, wurde die Büchse der Pandora und ist sie erst geöffnet, kommt das Leid über die Beziehung von Mensch und Hund, Hund und Hund oder sogar Mensch und Mensch, wegen des Hundes.

An dieser Stelle kommen die Hundetrainer ins Spiel. In Scharen, vergleichbar derer von Immobilienmaklern in Ballungsgebieten, bieten sie alles an. Agility, Dummy-Training, THS, Fun, Clicker, Ball, Schutzdienst und zig ziliarden anderer Dinge, die manchmal auch nur anders heißen als beim Trainer ein paar Straßen weiter, weil es sich vermeintlich besser verkauft, wenn man sich einen Funky-Namen für "Sitz", "Platz", "Fuß" und "Aus" ausdenkt.

Ich war auch bei dieser Art von Trainern, damals, als ich mir meinen Beagle zulegte. Geholfen hat mir damals kaum einer, manche haben sogar gleich abgewunken, weil man einen Beagle nicht erziehen könne. Und doch, gleich einer Suche nach einer Nadel im Heuhaufen gab es dann die ein oder andere Trainerin oder den ein oder anderen Trainer, die mich ein Stück weiter gebracht haben. Gerade so weit, dass ich wieder alleine weiter schwimmen und mir selbst noch mehr aneignen konnte. Ganz bemerkenswert ist hierbei, wie viel Energie und Zeit ich selbst investieren musste, obwohl ich doch eine ganze Menge Geld bei diesen Dienstleistern gelassen hatte.

Nun hatte ich das Glück, dass meine Hündin zwar in den ersten beiden Jahren eine Katastrophe mittleren Ausmaßes war und in den Händen anderer Menschen sicher, ihre zukünftige Luft durch die Gitter eines Tierheimzwingers geatmet hätte, aber eben nicht aggressiv oder gefährlich gewesen. Stelle ich mir nun meinen Weg mit diesem Hund mit einem anderen Hund vor, einem unsicheren Dobermann-Rüden vielleicht, einem territorialen Rottweiler oder einem jagdbesessenen Husky wäre ich heute vermutlich kein Hundehalter mehr und hätte mir stattdessen einfach noch eine weitere Katze zugelegt, die war zwar auch nicht nett, aber ich hatte ja nicht so oft Besuch. Damit schließt sich im Grund der Kreis und am Ende der ganzen Debatte bleibt nur, dass ein Mangel an Führung, ein Mangel an Kompetenz bei den Trainern und falsche Erwartungen dazu führen, dass die Zahl der aggressiven Hunde weiter und weiter wächst und das es Menschen braucht, die Haltern solcher Hunde und auch solchen Hunden helfen - und ihnen Wege aus der Krise aufzeigen.

Es ist mir wichtig, all diese Dinge zuvor ausgeführt zu haben, damit man versteht, warum ich mich überhaupt mit diesem Thema und diesen Hunden auseinandersetze und warum man sie nicht verurteilen sollte, ohne sich Gedanken über die Hintergründe gemacht zu haben.

Big Expectations - Große Erwartungen


Das erste Mal kam ich hautnah in Berührung mit Aggression beim Hund, als der Testosteronspiegel meines Schäferhundrüden locker mit meinem mithalten konnte. Die Weltherrschaft war ihm zwar sprichwörtlich egal, aber wer die dickeren Eier hat, konnte man schon mal in Frage stellen. Seither hat mich, auch wenn jener trotz diverser unsinniger Ideen nun doch ein ganz feiner Kerl geworden ist, nicht mehr losgelassen. Er mag zwar auch heute noch nicht Jeden, tue ich aber auch nicht. Und es gibt ja zum Glück kein Gesetz, dass Jeder Jeden mögen muss, also was solls.

Dies liegt nun ein paar Jahre zurück. In der Zwischenzeit habe ich so einige Trainer gesehen, die den Hund unter Anwendung von Gewalt zur Aufgabe des störenden Verhaltens bewegen wollten sowie auch Trainer, die den Hund mit Clicker und Leckerchen davon überzeugen wollten, dass die Welt ein Ponyhof ist und es Heu für alle gibt. All-you-can-eat, natürlich. - Einige Trainer bezeichnen sich heute als "Realo-Trainer" und sprechen von "Realo-Zweigen" im Hundetraining. Gemeint ist damit wohl eine gesunde Mitte. Ein stabiles Umfeld, mit stabilen Persönlichkeiten und einem gut gefüllten Werkzeugkoffer für alle Eventualitäten. Meiner Meinung nach ein reines Wunschdenken - oder einfach nur ein weiterer Marketinggag.

Auf der Suche nach eben jener gesunden Mitte jedoch bin ich. Obgleich mir natürlich klar ist, dass man diese Mitte finden muss und nicht nur mit viel Handwerkszeug erlernen kann. Was zählt, sind am Ende die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit den Menschen und ihren Hunden - oder wie in diesem Fall, nur den Hunden allein.

Nachdem ich bereits im Vorfeld die Möglichkeit hatte, Videos der Arbeiten von Perdita Lübbe-Scheuermann sehen zu dürfen, waren meine Erwartungen nun also sehr groß, mich auf meinem Weg zur gesunden Mitte einen großen Schritt weiter in die richtige Richtung bewegen zu können. Und auch, wenn ich Perdita persönlich sehr gerne mag, bringen mich ein paar Hundert Euro, die dafür auf den Tisch zu legen waren, sehr schnell wieder auf den Boden der Objektivität. Der Mensch lebt eben nicht nur vom Brot allein, aber für drei Tage war der Preis von 400,00 EUR angemessen. 

Das Tierheim Viernheim


Als Veranstaltungsort wurde das Tierheim Viernheim gewählt. Eines der so genannten "Stammtierheime" der Referentin, die auch die Veranstalterin ist. Das Tierheim ist gut zu erreichen und bietet einige Parkplätze für Besucher, es gibt einen großen Auslauf und einen kleineren, es ist sehr gepflegt und sauber und riecht verhältnismäßig wenig nach Tierheim und ist auch nicht so laut, wie man das von Andernorts kennt. Die Tiere machen einen guten und gesunden Eindruck und die Mitarbeiter sind durchweg freundlich und sehr hilfsbereit. Natürlich bleibt es dennoch ein Tierheim, bei einem genauen Blick auf Mensch und Tier erkennt man jedoch schnell, dass die hier beschäftigten Menschen eher einer Berufung als einem Beruf nachgehen. Ich habe zum Beispiel noch nie so toll und liebevoll ausgestattete Katzenhäuschen gesehen. Oder Sichtschutzvorhänge vor den Zwingern. Auch die sonstige Aufmachung sowie die Tatsache, dass die Mitarbeiter an ihren freien Tagen das Seminar unterstützen trägt meiner Meinung nach eine wichtige Aussage: Es geht um die Tiere. Etwas, dass in manchen Tierheimen unterdessen ganz und gar in Vergessenheit geraten zu sein scheint und nur noch für Spendenaufrufe dient. 

An allen drei Tagen gab es ein Buffet mit belegten Brötchen, Kuchen, Warm- und Kaltgetränken und liebevoll auf Teller drapierten Gummibärchen. Außerdem kleinere Extras, Chips, etc. - Es war von allem etwas da und von allem genug. Eine Preisliste gab es nicht, dafür wurde am Ende jeden Tages eine kleine Spende eingesammelt. Wohlverdient, wie ich meine. Ist es zudem doch auch so, dass gerade Buffets dazu neigen, nur am ersten Tag toll zu sein und dann stetig abzunehmen, war es hier genau umgekehrt.

An dieser Stelle ein Dankeschön für diesen tollen Service an das Tierheim Viernheim!

Praxis, Praxis, Praxis...


Wenn man auf ein solches Seminar geht, möchte man die nötige Theorie erfahren, aber auch nicht seine Tage mit Vorträgen in einem Raum verbringen. Es geht darum, Hunde zu sehen, zu erfahren sowie Analysen und Lösungen zu erarbeiten. Das hat die Referentin sehr gut erkannt und sich nur wenig der Theorie gewidmet, gerade so viel, wie nötig ist, um das gesehene zu verstehen.

Zunächst wurde jedoch eine Einführung vorgenommen. Nach einer kurzen Vorstellung der Referentin, die auch gleich auf diverse Eigenheiten ihrer eigenen Person verwies, um Unstimmigkeiten zu vermeiden, gab es eine Beschreibung dessen, was auf dem Seminar passieren wird und was nicht. Hervorzuheben ist hier sicher, dass die Referentin jedem Teilnehmer, der nach der Beschreibung das Gefühl hätte, er habe sich verbucht und möchte doch lieber gehen, die Möglichkeit offen legte, den gezahlten Betrag zurück zu erhalten und das Seminar vor Beginn zu verlassen. Auch, wenn diese Möglichkeit von keiner der Anwesenden genutzt wurde, ist das durchaus ein feiner Zug, gerade bei einem so sensiblen Thema.

Teamwork


Fragt man Perdita nach dem Geheimnis ihrer nahezu reibungslos verlaufenden Seminare, dürfte sie sicher mit Stolz auf ihr Team verweisen. Bereits als das Seminar von Ines Kivelitz über die Hundeakademie veranstaltet wurde ("Anleitung zum Öffnen"), ist mir dies schon sehr angenehm aufgefallen. Das ohne Zweifel sehr freundschaftliche Verhältnis zwischen der Chefin und ihren Mitarbeiterinnen und die eigenständige Arbeit dieser für die gemeinsame Sache, tun ihr Übriges. Die Stimmung ist durchweg gut und angenehm und auch nach Ende eines Seminartages gab es keine besondere Eile, sich endlich nach Hause aufzumachen. Stattdessen wurde in kleiner, gemütlicher Runde noch etwas resümiert, auch mit Teilnehmern, die es ebenfalls nicht sehr eilig hatten. 


Nicht zuletzt dürfte das aber auch dem respektvollen Umgang geschuldet sein sowie auch der Persönlichkeit von Perdita Lübbe-Scheuermann, der man gerne auch mal unverbindlich folgt, was sich auch im Feedback der Teilnehmer bemerkbar macht. Trotz sehr angetaner Menschen, sucht man Groupies allerdings vergebens, hierfür ist Perdita zu bodenständig und ihre Arbeit zu professionell.

Last but not least sollte man nicht unerwähnt lassen, dass sich die Referentin keineswegs auf irgendeinen nur für sie arbeitenden Voodoo-Zauber beruft, sondern erklärterweise auch nur mit Wasser kocht und eben jenes kochen geduldig und ausführlich ihren Teilnehmern erklärt. Kaum eine Frage wird offen gelassen, kaum eine Anmerkung unbeantwortet. Was im Rahmen des Seminars möglich ist, wird sofort und vor allen geklärt. Wer jetzt glaubt, es wurden einfache Fragen weit ausschweifend besprochen und es mangelte am Ende an fassbaren Inhalten, irrt sich. Trotz allem war die Dichte der vermittelnden Informationen so hoch, dass ich an den Seminarabenden nicht einmal mehr den Fernseher anbekommen habe.

Just-in-Time-Lieferung


Ein Beleg für das große Vertrauen, dass in die Arbeit der Hundeakademie mit diesen Hunden gesetzt wird, dürfte wohl auch sein, das nur wenige Hunde aus dem Tierheim Viernheim selbst stammten. Stattdessen wurden ausgewählte Hunde mit bestimmten Verhaltensauffälligkeiten von anderen Tierheimen, nämlich Heidelberg, Offenbach und Darmstadt zu vorher abgestimmten Zeiten zum Veranstaltungsort gebracht, wo dann zeitnah mit ihnen gearbeitet wurde. Die Auswahl der Hunde erfolgte hierbei durch die Tierheime selbst und die Mitarbeiter der Tierheime durften die ganze Zeit bei der Arbeit mit den von ihnen betreuten Hunden zusehen. Eine großartige Sache, erhalten doch so auch die Mitarbeiter der Tierheime einen Einblick in diese Arbeit und können sie im Alltag einsetzen, was wiederum den Hunden zugute kommt, da ihre Vermittlungschancen dadurch nicht unwesentlich steigen. Es gibt nämlich einen großen Unterschied zwischen Verwahren und Betreuen, auch wenn man das in gerade in Tierheimkreisen nicht besonders gerne hört.

Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten...


Sieht man manchen Menschen zu, wenn sie davon sprechen, mit ihrem Hund etwas arbeiten zu wollen, muss man sich schon sehr wundern. Es gibt kaum genug Platz in der Hundemarkenspezialarbeitsjacke für all die tollen Dinge, die gebraucht werden: Leckerchen in 7 verschiedenen Sorten, Clicker, Dummy, Ball (mit und ohne Magnet), Schleppleine, Führleine, Kurzleine, usw. usf. - Anders hier. Der Hund hat einen Maulkorb auf, ein Halsband um und wird an einer ganz normalen Leine geführt. Das wars. Kein japanisches Bondage mit dem Hund und auch nichts zum draufhauen oder hinterherschmeißen.

ACHTUNG! Die Arbeit mit aggressiven Hunden ist ausgesprochen gefährlich. Eine unsachgemäße Sicherung oder Arbeitsweise kann zu enormen Verletzungen bis hin zum Tod führen. Daher meine ausdrückliche Bitte an euch: Bevor ihr euch an diese Hunde ran wagt, lasst es euch von Jemandem zeigen, der sachkundig ist und sammelt zunächst ausreichend Erfahrungen. Arbeitet niemals alleine mit einem solchen Hund. Auch bei noch so ordentlicher Sicherung sind Verletzungen nicht auszuschließen!

Tatsächlich war dies das erste Seminar, bei dem ich neben Kommunikation auch das Gefühl hatte, hier wird tatsächlich etwas über Führung des Hundes vermittelt. Aber das sei nur am Rande erwähnt. Ebenfalls nicht ganz unwichtig ist hierbei, dass es hier um die Arbeit mit Tierheimhunden geht und es natürlich Unterschiede zur Arbeit mit Hunden von anderen Haltern gibt. Auch, wenn die Versuchung groß ist: Hände weg von Hunden, die Jemandem gehören - hier sollte unbedingt der Halter angeleitet werden, den Umgang mit seinem Hund zu erlernen oder zu verbessern. Den Hund selbst "mal eben" zu nehmen, ist eher kontraproduktiv. Das Vorgehen zeigen kann man zur Not auch am eigenen Hund.

Das Prinzip für die "zweite Reihe" bei Hunden, die sich berufen fühlen, selbst die Kontrolle nebst Sicherung der gewünschten Individualdistanz zu übernehmen, ist hierbei recht schnell erläutert: Der Hund wird körpersprachlich zurückgeschickt, keine offensive Berührung, kein Aufstampfen, kein Schenkelklopfen, Leinerasseln oder Discwerfen. Geht der Hund nach vorne, fährt also eine Attacke, wird diese im Grunde nicht beantwortet und man setzt seinen Plan fort, bis der (hoffentlich klügere Hund) nachgibt und ein Einsehen hat. Ein aktiver Abbruch des Verhaltens erfolgt nicht. Natürlich ist hierbei zu berücksichtigen, dass nicht jeder Hund gleich reagiert und schon gar nicht auf jeden Menschen. Wen man nicht meint, was man tut, ist man hier also definitiv nicht an der richtigen Stelle.

Das Grundprinzip, nämlich den Hund mit seinen Attacken ins Leere laufen zu lassen, zieht sich hierbei durch alle möglichen Formen der Aggression. Es wurde auf dem Seminar zum Beispiel auch mit Futter gearbeitet, einer nicht gerade seltenen Problematik. Hierbei bekommt der jeweilige Hund etwas Katzenfutter. Das Futter wird einfach hingestellt, der Hund rangeführt und trifft quasi zufällig auf das Futter, welches ihm weder angeboten noch freigegeben wird. Er fängt also von alleine an zu fressen. Dann nähern sich Personen auf unterschiedliche Arten. Eine geht nur vorbei, eine andere nähert sich vorsichtig/unsicher oder eine Person nähert sich ganz neutral und hält die Futterschale fest, aus welcher der Hund gerade frisst. Man kann sich vorstellen, dass gerade Letzteres bei Hunden mit einer ausgeprägten Abneigung für das Teilen von Futter, auf nicht besonders viel Gegenliebe stößt.


Wird der Kandidat nun also ungehalten und versucht sich durch eine Attacke Raum zu schaffen, bleibt diese komplett unbeantwortet. Die Testperson hält die Schale weiter unbeirrt, so gut, wie dies eben möglich ist, da ein Hund bei einer solchen Maßnahme natürlich auch nicht unwesentliche Kräfte entwickelt. Gerade bei größeren Hunden ist hier besondere Vorsicht geboten. 


Nun klingt das erst einmal nicht besonders ausgeklügelt. Man kauert auf dem Boden und lässt quasi sich von einem Hund mit Maulkorb vermöbeln. Das Besondere ist dabei aber nicht, was man tut, sondern was dabei im oder besser mit dem Hund passiert: Irgendwann gab es einen Moment, an dem dieses Verhalten seinen Ansatz hatte und das zum Erfolg führte. Das wurde weiter ausgebaut und reifte zu eben dieser Verhaltensweise. Die Grundsätzliche Idee ist es, dieses Verhalten wieder durch Ausbleiben des Erfolges entkräften.

Für manche Hunde braucht es dabei etwas mehr, als nur bloßes Dasitzen und sich vermöbeln lassen. Ob das nun aber das sanfte Streicheln während der Attacke ist, dem Hund gut zureden oder das Vorbeigehen einer Bezugsperson - immer mit der Möglichkeit, die Situation selbstständig zu verlassen und eine andere Lösung für sich zu finden.

Lange Rede...


...kurzer Sinn? Wohl kaum. Ich werde sicher noch einige Zeit benötigen, die Inhalte des Seminars vollständig zu verarbeiten und es wird immer wieder Situationen geben, in denen ich auf das gelernte zurückgreifen kann. Eine großartige Veranstaltung, voller Informationen, Eindrücke und auch aufkommender Emotionen, wenn zu spüren ist, wie der widerspenstige Gremlin zum kuscheligen Hasen mutiert und nicht mehr in der für ihn so unangenehmen Situation gefangen sein muss. 



Allem voran das Gefühl, dies auf dem gesunden Mittelweg mit dem Hund zusammen erreicht zu haben, ohne ihn unfair zu behandeln oder unnötig zu malträtieren. Ein muss für jeden, der mit aggressiven Hunden vernünftig arbeiten möchte und gute Impulse für diejenigen, die es bereits tun. Es muss nicht immer ein Extrem sein, dass uns zum Ziel führt. 

Links: 

Sonntag, 8. März 2015

News-Flash: Versteigerung mit Gewinnspiel!

Tue Gutes und sprich darüber. Ein Motto, mit dem ich immer wieder versuche, Menschen zu etwas Gutem zu motivieren. Denn wir wissen: Der Mensch lebt nicht nur für sich allein.


Und weil das so ist, haben Antje Hachmann Fotografie und Konsumhund eine Auktion ins Leben gerufen, bei der die letzten Exemplare des "We Care"-Kalenders ersteigert werden können. Einer der Kalender kann bei der Versteigerung sogar gewonnen werden, so hat jeder der Teilnehmer eine Chance auf das edle Stück, auch wenn er gerade knapp bei Kasse ist. Der Hammer ist jedoch, dass bei Erreichen eines Betrages von 250,- EUR zusätzlich ein Einkauf von bis zu 50,- bei BeRidge verlost wird.


Macht mit. Tut Gutes und sprecht darüber! Werbt für uns und vor allem, bietet mit, auf Facebook in der Gruppe "Kommunizieren STATT Diffamieren" unter folgender Adresse: https://www.facebook.com/groups/kommunizierenstattdiffamieren/permalink/800720693331456/

Weiterführende Links:

  • http://www.antjehachmann.com/ - Antje Hachmann Fotografie
  • http://www.antjehachmann.com/we-care-2015/ - Direktlinkt zum "We Care"-Projekt 2015

Dienstag, 3. März 2015

No more zwiebeling!

Oma sagt immer: „Kind, wirklich warm hält nur die Zwiebeltechnik“...


Zu blöd nur, dass wenn man unter der Woche getrennt lebt, niemand da ist der einem hilft irgendwie aus der messiähnlichen Ansammlung von Thermostiefeln, Strumpfhose, Thermounterwäsche, IsoBlocker und wasserdichter Hose zu kommen. - Natürlich verweigern die Hunde genau dann jegliche Kooperation und würden es selbst für eine göttergleiche Opfergabe vorziehen, dir beim mit dem Ausziehversuch verbundenen Fall deiner Grobmotorikerhülle zuzusehen. Ist ja nicht so, dass wenn man es gerade nicht will, sie einem durchaus die Socken von den Füßen ziehen können und sich dann um diese prügeln als ginge es um das Vorrecht auf die Nachbarskatze. 


Zu meinem Jobwechsel bekam ich von meinen Ex-Kollegen einen Gutschein für Engelbert und Strauss und fuhr zum Verprassen nach Hockenheim Talhaus. Ich muss dazu sagen, dass ich eine unangenehme Shopperin bin und dass nicht nur für meine Umwelt sondern auch für mich selbst.

Variante 1:
Habe ich kein Geld, finde ich etwas was ich unbedingt haben will und werde sauer, weil ich es mir nicht leisten kann.

Variante 2:
Habe ich Geld kann ich mich nicht recht entscheiden, rege mich über andere Kunden auf und am Ende gehe ich ohne etwas, denn eigentlich brauche ich ja auch nichts…

So ging es mir auch, bis ich die Winter-Damenhose e.s.vision in die Hände bekam und dabei an meinen letzten Entkleidungsversuch dachte (Hier stelle man sich bitte einen pochenden Musikantenknochen vor und eine Bardina, die einem das kalte Gesicht zerkratzt vor lauter Freude, dass du endlich mit ihr das lang ersehnte Wrestlingmatch auf dem Boden begonnen hast *Rundengong*).

Aber nun zur Hose; Der Hersteller beschreibt sie so (Quelle: www.engelbert-strauss.de):

  • nachhaltige Stoffmischung aus Re/Wear TC®, perfekter Mix aus natürlicher Baumwolle und Polyester mit Regenerat-Anteil
  • schlichte und schlanke Optik
  • hohe Bewegungsfreiheit und optimaler Tragekomfort durch Stretch-Einsätze
  • bequemer EAZYFIT-Bund, der jede Bewegung mitgeht
  • geräumige Schenkeltaschen links, mit verstärktem Abschluss und aufgesetzter Reißverschluss-Tasche
  • mehrteilige Schenkeltasche rechts, mit CORDURA® (Achtung: CORDURA® nicht geeignet für Arbeiten mit offener Flamme) unterlegt
  • 2 Schubtaschen und 2 Gesäßtaschen
  • tonal angepasste Reflexbiesen
  • optimaler Wärmerückhalt dank weicher Fleece-Fütterung


  • Material: 65 % Polyester / 35 % Baumwolle (ca.235 g/m²), mit Regenerat-Anteil, Futter: 100 % Polyester. Waschbar bei 60°C


  • RE/WEAR TC® Fasertechnologie mit dem gewissen Etwas – umweltfreundlich & nachhaltig! Strapazierfähiges, hochwertiges Stoffgemisch, welches natürliche Baumwolle mit Recycling-Polyester kombiniert – verarbeitet in energiesparender, ressourcenschonender Fertigung.

Das gute Stück kostet um die 70€ und war in meinen Augen jeden Cent wert. Getragen habe ich sie jetzt schon über 100 Stunden. Im Schnee durch München, im Eisregen durch den Odenwald, bei meiner Arbeit auf den Äckern der landwirtschaftlichen Betriebe und beim täglichen Laufen mit den Hunden.

Vorteile der Hose:

  • Hält mich warm ohne Zwiebeltechnik
  • Dreck und Hundehaare lassen sich abbürsten
  • Durch Imprägnierung mit Waschzusatz wasserabweisend
  • Höherer Bund am Rücken verhindert proktologische Einsichten beim Bücken
  • Hat bisher auch 1,5 Std im Trockner unbeschadet überlebt obwohl nicht trocknergeeignet laut Waschanleitung.
  • Hundekrallen haben bisher noch keine Risse verursacht
  • Preisleistung TOP 
  • Gibt es in vielen „branchentypischen“ Farben.

Einziger Wermutstropfen der Hose: Es fehlt für meinen Geschmack die Möglichkeit die Hosenbeine enger zu stellen damit kein Schnee von unten in die Hose gelangen kann.

Trotzdem: Für den Winter wie auch für diese super eklige Übergangszeit, eindeutig eine Kaufempfehlung!

Weiterführende Links:

Montag, 23. Februar 2015

Straßenhunde in Europa

Interessanter Beitrag über Straßenhunde in Europa.


Sehenswerte Zusammenfassung der Beobachtungen eines Tierpflegers, der mehrere Monate durch Süd- und Osteuropa gereist ist, zu sehen in der WDR-Mediathek unter: 




Donnerstag, 19. Februar 2015

Artikelempfehlung: "Der Border Collie - Ein Problemhund!?"

Als meine Freundin mit ihren beiden Hunden in mein Leben trat, dachte ich noch, mein Schäferhund wäre ein sehr schnelles Tier. Ich hatte mich zwar an seine Geschwindigkeit gewöhnt, war jedoch der Ansicht, dass das der Zeit geschuldet wäre, die ich darauf investiert hatte. An der selbigen kamen mir jedoch keine Zweifel auf. 


Dann jedoch hatte ich es plötzlich mit zwei Border-Collie-Mischlingen zu tun und musste erleben, dass Geschwindigkeit tatsächlich nicht nur etwas relatives, sondern auch etwas sehr subjektives sein kann. Verglichen z.B. mit dem Parson Russel Terrier x Border Collie Mischling der gerade friedlich neben mir rumgammelt und nun auch die meiste Zeit bei mir ist, während mein Beagle die Wälder in Baden Württemberg unsicher macht, ist mein Schäferhund die reinste Schlaftablette: Er sieht etwas, richtet schon mal die Ohren aus, denkt nach, richtet mal den Kopf aus, dann kommt die Körperspannung und irgendwann dann mal ist sein Plan fertig geschmiedet und er marschiert endlich los. Die Zeit, die für selbige Aufgaben und diese ggf. in größerem Umfang vergeht, wenn diese den besagten Border-Collie-Mischling betreffen, erscheint manchmal gar nicht messbar. 





Schnell, schneller, Border Collie?! Natürlich kann man sich jetzt darüber streiten, welche die schnellste und reaktivste Rasse der Welt ist. Rassehundebesitzer sind da ja oft recht eigen. Fest steht: Der Border Collie ist und bleibt, auch ohne eingekreuzten Parson Russel Terrier, ein Hund mit ganz besonderen Merkmalen, die keine andere Hunderasse mit sich bringt. Einen wunderschönen und ehrlichen Artikel darüber, welche das sind und warum diese so sind, hat Nina Dany verfasst und ihn über Planet Hund veröffentlicht. 


Viel Spaß beim Lesen!

Weiterführende Links:
http://www.planethund.com/hundewissen/border-collie-problemhund-2808.html - Link zum Artikel
http://www.planethund.com/author/nina - Weitere Artikel von Nina Dany auf Planet Hund